Fernwärme Bensheim: Wo laut Wärmeplan-Entwurf ein Netz kommen könnte

Fernwärme Bensheim ist ab sofort mehr als ein Schlagwort. Die Stadt hat den Entwurf ihrer kommunalen Wärmeplanung veröffentlicht, und darin steht zum ersten Mal schwarz auf weiß, welche Gebiete für ein Wärmenetz in Frage kommen und wo die Zukunft eher bei der eigenen Wärmepumpe liegt. Bis zum 25. Oktober kann jeder dazu Stellung nehmen.

Das Wichtigste in Kürze
Auslegung: 21. September bis 23. Oktober 2026 im Rathaus, alle Unterlagen auch online
Stellungnahmen: bis 25. Oktober 2026 per Mail, Onlineformular oder Post
Sieben Wärmenetzgebiete, sechs Prüfgebiete, der Rest der Stadt gilt als Gebiet für dezentrale Versorgung
Fast 88 Prozent der Wärme in Bensheim kommen heute aus Erdgas und Heizöl
Bestehende Öl- und Gasheizungen dürfen nach dem neuen Bundesgesetz weiterlaufen

So heizt Bensheim heute

Der Entwurf des Abschlussberichts, erstellt im Konvoi mit Heppenheim, Lampertheim, Lorsch und Bürstadt, zeichnet ein klares Bild. Auf der Gemarkung stehen rund 15.500 Gebäude, 89 Prozent davon werden zum Wohnen genutzt. Zusammen brauchen sie pro Jahr rund 409 Gigawattstunden Endenergie für Wärme.

EnergieträgerAnteil am Wärmeverbrauch
Erdgas61,4 %
Heizöl26,3 %
Strom für Wärmepumpen6,1 %
Holzpellets4,6 %
Nah- und Fernwärmeunter 1 %

Fernwärme spielt in Bensheim also bisher praktisch keine Rolle. Es gibt zwar schon mehrere kleine Wärmenetze, der Bericht nennt unter anderem Netze am Elsbeerweg, in der Schillerstraße und in der Friedhofstraße. Sie werden aber überwiegend mit Erdgas betrieben, teils mit Blockheizkraftwerken. Beim Klima schlägt das voll durch: Die Wärmeversorgung verursacht rund 93.500 Tonnen CO2 im Jahr, über 90 Prozent davon aus Gas und Öl.

Interessantes Detail: Bensheim ist fast flächendeckend ans Gasnetz angeschlossen. Ausnahmen sind laut Bericht nur Langwaden, Hochstädten, Gronau und Zell.

Fernwärme Bensheim: Diese Gebiete sind vorgesehen

Herzstück des Entwurfs sind 14 Gebietssteckbriefe. Die Planer teilen die Stadt darin in drei Kategorien ein.

Wärmenetzgebiete

Hier halten die Planer ein Wärmenetz für sehr wahrscheinlich geeignet:

  • Zentrum: die Altstadt der Kernstadt, mit Krankenhaus und Schulen als großen Abnehmern
  • Misch West: der Westen der Kernstadt mit Wohnen und Gewerbe
  • Bildung Nord: der Norden der Kernstadt rund um drei Schulkomplexe, mit bestehendem Netz
  • Auerbach Bestand: zentral in Auerbach östlich der Bahnlinie, mit bestehendem Netz
  • Urbens Bestand: im Süden Bensheims westlich der Bahn, mit bestehendem Netz
  • Euler-Gelände Bestand: im Südosten, mit bestehendem Netz
  • Fehlheim Bestand: im Nordwesten der Gemarkung, mit bestehendem Netz

Prüfgebiete

Hier ist ein Netz wahrscheinlich sinnvoll, muss aber erst mit einer Machbarkeitsstudie untersucht werden: Auerbach Zentrum, das Gewerbegebiet am Westrand von Auerbach, die Erweiterung von Bildung Nord, Misch Süd, das Gewerbegebiet im Südwesten und Gronau.

Dezentrale Versorgung

Alles, was nicht in diesen Gebieten liegt, gilt als Gebiet für dezentrale Versorgung. Dort ist der Wärmebedarf pro Straßenmeter zu gering, als dass sich Rohre lohnen. Der Entwurf nennt als Lösungen vor allem Wärmepumpen, Biomasse und Solarthermie. Ein Wasserstoffnetzgebiet weist der Entwurf nicht aus.

Die genauen Grenzen der Gebiete zeigen die Karten im Anhang. Wer wissen will, wo das eigene Haus liegt, sollte dort nachschauen und nicht nur nach dem Gebietsnamen gehen.

Was heißt das für Hausbesitzer?

Kurz gesagt: erst einmal nichts Verpflichtendes. Der Wärmeplan ist nach dem Wärmeplanungsgesetz ein strategisches Planungsinstrument und schreibt niemandem vor, wie er heizen muss. Ein Wärmenetzgebiet bedeutet auch nicht, dass dort sicher Fernwärme kommt. Es heißt nur, dass ein Netz dort aus Sicht der Planer gut funktionieren könnte.

Dazu kommt das neue Gebäudemodernisierungsgesetz des Bundes, das seit dem 29. Juli 2026 gilt und das alte Heizungsgesetz ersetzt. Die 65-Prozent-Pflicht für neue Heizungen ist damit weg, bestehende Öl- und Gasheizungen dürfen weiterlaufen. Wer neu eine fossile Heizung einbaut, muss laut ADAC ab 2029 aber schrittweise klimafreundliche Brennstoffe beimischen: 10 Prozent ab 2029, 15 Prozent ab 2030, 30 Prozent ab 2035 und 60 Prozent ab 2040.

Für die Praxis heißt das: Wer in einem Wärmenetzgebiet oder Prüfgebiet wohnt und in den nächsten Jahren ohnehin die Heizung tauschen muss, sollte die weitere Entwicklung im Blick behalten. Wer im dezentralen Gebiet wohnt, weiß jetzt ziemlich sicher, dass so schnell kein Netz vor der Haustür liegen wird.

Was die Stadt als Nächstes plant

Der Entwurf enthält einen Katalog mit 22 Maßnahmen. Die meisten sollen 2026 oder 2027 starten. Für Bürger besonders relevant sind diese:

  • Machbarkeitsstudien für die zentralen Wärmeversorgungsgebiete, Start 2026
  • Interessensabfrage in den Prüfgebieten: Wer würde überhaupt an ein Netz anschließen?
  • Gasnetz: Der Gasnetzbetreiber soll einen Plan erstellen, wie es mit dem Gasnetz weitergeht
  • Neue Wärmequellen: geprüft werden Abwasserwärme, Erdwärme, saisonale Speicher und Freiflächen-Photovoltaik
  • Hilfe für Eigentümer: ab 2027 Sammelaktionen für Photovoltaik und Wärmepumpen, Unterstützung für Gebäudenetze und mehr Energieberatung

Das große Ziel steht im Bericht ebenfalls: Bensheim will bis 2040 klimaneutral werden. Rechtlich muss der fertige Wärmeplan bis zum 30. Juni 2028 vorliegen.

So können Sie Stellung nehmen

Der Entwurf liegt noch bis Freitag, 23. Oktober 2026, während der Öffnungszeiten im Rathaus aus. Alle Unterlagen, also Abschlussbericht, Gebietssteckbriefe, Maßnahmenkatalog und Karten, stehen auch auf bensheim.de zum Download bereit. Stellungnahmen sind bis Sonntag, 25. Oktober 2026, möglich:

  • Per E-Mail: waermeplanung@bensheim.de
  • Online: über das Formular der Stadt (Link auf der Seite zur öffentlichen Auslegung)
  • Per Post: Magistrat der Stadt Bensheim, Dr. Holger Schmitt, B-36 Klimaschutz, Umwelt und Energie, Kirchbergstraße 18, 64625 Bensheim

Mehr zum Hintergrund und zum Konvoi Bergstraße lesen Sie in unserem Artikel zur Wärmeplanung Bensheim. Sobald der Wärmeplan beschlossen ist, berichten wir wieder.

Quellen

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