Wärmeplanung Bensheim: Zweite Bürgerveranstaltung zeigt den Fahrplan bis 2028
Wärmeplanung Bensheim ist derzeit eines der konkretesten Zukunftsprojekte der Stadt. Am 30. September 2026 lädt die Verwaltung zur zweiten Bürgerinformationsveranstaltung ein, bei der sie offenlegt, wie Bensheim bis 2028 einen verbindlichen Plan für seine Wärmeversorgung vorlegen will. Im Hintergrund läuft dafür seit gut zwei Jahren ein ungewöhnliches Bündnis: Gemeinsam mit vier Nachbarstädten lässt Bensheim untersuchen, welche Straßenzüge sich für ein Wärmenetz eignen und wo eher die eigene Wärmepumpe die bessere Wahl bleibt.
| Das Wichtigste in Kürze Termin: Mittwoch, 30. September 2026, 18 bis 20 Uhr, Aula der Heinrich-Metzendorf-SchuleZweite von mehreren geplanten Bürgerbeteiligungsveranstaltungen zur WärmeplanungBensheim plant gemeinsam mit Heppenheim, Lampertheim, Lorsch und Bürstadt im „Konvoi Bergstraße“Gesetzliche Frist: Bis 30. Juni 2028 muss ein kommunaler Wärmeplan vorliegenEtwa ein Drittel der Bensheimer Treibhausgase stammt aus der Wärmeerzeugung |
Inhaltsverzeichnis
Warum Bensheim überhaupt einen Wärmeplan braucht
Seit dem Wärmeplanungsgesetz des Bundes und der hessischen Ausführungsverordnung ist die kommunale Wärmeplanung keine freiwillige Übung mehr, sondern eine gesetzliche Pflicht. Sie soll zeigen, wie eine Stadt ihre Gebäude künftig ohne Öl und Gas beheizt, welche Gebiete sich für ein zentrales Wärmenetz eignen und wo dezentrale Lösungen wie Wärmepumpen sinnvoller sind. Für Bensheim ist das kein Nebenthema: Rund ein Drittel der städtischen Treibhausgasemissionen entsteht laut Stadtverwaltung allein durch die Erzeugung von Wärme, deutlich mehr als im Verkehr oder in der Industrie vor Ort.
Die Fristen unterscheiden sich nach Stadtgröße:
| Kommunengröße | Frist zur Vorlage des Wärmeplans |
| Städte über 100.000 Einwohner | 30. Juni 2026 |
| Alle übrigen Kommunen, darunter Bensheim | 30. Juni 2028 |
Die Stadtverwaltung peilt intern sogar einen Abschluss noch im Jahr 2026 an, also rund zwei Jahre vor der eigentlichen gesetzlichen Frist. Damit ist klar: Die Wärmeplanung Bensheim ist kein bürokratisches Feigenblatt, sondern soll Eigentümerinnen und Eigentümern schon in absehbarer Zeit eine belastbare Orientierung geben.
Die zweite Infoveranstaltung am 30. September
Nach einem ersten Auftakttermin, zu dem rund 60 Bürgerinnen und Bürger kamen, folgt nun die zweite Runde der Beteiligung. Am 30. September 2026 präsentiert die Stadt in der Aula der Heinrich-Metzendorf-Schule den aktuellen Zwischenstand der Analyse und beantwortet Fragen aus dem Publikum.
- Datum: Mittwoch, 30. September 2026
- Uhrzeit: 18 bis 20 Uhr
- Ort: Aula der Heinrich-Metzendorf-Schule, Bensheim
- Format: Vortrag mit anschließender Fragerunde, öffentlich zugänglich
- Kontakt: Fachbereich Klimaschutz, Umwelt und Energie, energieberatung@bensheim.de, Telefon 06251 14-0
„Die kommunale Wärmeplanung ist ein zentrales Instrument für die klimafreundliche Zukunft unserer Städte.“ (Bürgermeisterin Christine Klein und Erste Stadträtin Nicole Rauber-Jung)
Der Konvoi Bergstraße: fünf Städte, ein Dienstleister
Bensheim erarbeitet seinen Wärmeplan nicht allein. Seit Juli 2024 kooperiert die Stadt mit Heppenheim, Lampertheim, Lorsch und Bürstadt im sogenannten Konvoi Bergstraße, einem gemeinsamen Verfahren, das Synergien bei Datenerhebung und fachlichem Austausch schafft. Im Januar 2025 beauftragten die fünf Kommunen die MVV Regioplan GmbH mit der fachlichen Erstellung der Pläne, das Unternehmen begleitet den Prozess über zwei Jahre.
Finanziert wird die Wärmeplanung Bensheim über eine Mischung aus Bundes- und Landesmitteln: Der Bund stellt bundesweit rund 7,5 Millionen Euro jährlich über fünf Jahre bereit, das Land Hessen ergänzt das um 1,3 Millionen Euro. Die Verteilung an die einzelnen Kommunen folgt einer Formel aus einem festen Sockelbetrag und einer Pro-Kopf-Komponente. Für kleinere Gemeinden unter 10.000 Einwohnern gilt zudem ein vereinfachtes Verfahren mit reduzierter Datenerhebung, für Bensheim mit seinen rund 42.000 Einwohnern greift dagegen das reguläre, umfassendere Verfahren.
Ein eigenes Projektportal, das waermeplanung-bergstrasse.de, dokumentiert den Fortschritt für alle fünf beteiligten Städte transparent und bündelt häufig gestellte Fragen.
Was der Wärmeplan für Hausbesitzer bedeutet
Wichtig zu wissen: Der kommunale Wärmeplan verpflichtet niemanden sofort zum Heizungstausch. Er soll vor allem als Orientierungshilfe beziehungsweise Entscheidungshilfe für Wohnungseigentümerinnen und Eigentümer dienen, etwa bei der Frage, ob sich ein Anschluss an ein künftiges Wärmenetz lohnt oder ob eine eigene, dezentrale Lösung sinnvoller ist.
Bis die Karten mit möglichen Wärmenetz-Gebieten feststehen, können Bensheimer Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer schon jetzt aktiv werden. Wer sein Gebäude ohnehin saniert, findet zum Beispiel im Beitrag zu Nachhaltig leben in Bensheim konkrete Zahlen dazu, wie viel Heizenergie sich allein durch Dämmmaßnahmen einsparen lässt. Für Altbauten und denkmalgeschützte Fassaden, bei denen eine klassische Außendämmung ausscheidet, liefert der Artikel zur Glaswolle-Einblasdämmung in Bensheim eine unauffällige Alternative. Und wer unabhängig von der künftigen Wärmenetz-Entscheidung schon jetzt in erneuerbare Energie investieren will, findet im Überblick zur Solarenergie in Bensheim einen Einstieg in Förderprogramme und lokale Beratungsangebote.
Ausblick: Wie es nach der Veranstaltung weitergeht
Nach dem Termin am 30. September fließen die Rückmeldungen aus der Bürgerbeteiligung in die weitere Erarbeitung des Plans ein. Wer die Wärmeplanung Bensheim verfolgt, bekommt an diesem Abend also einen der letzten offiziellen Zwischenstände, bevor die Stadt den fertigen Plan vorlegen will. Erst danach wird für einzelne Straßenzüge konkret erkennbar, ob dort ein Wärmenetz vorgesehen ist oder ob Eigentümerinnen und Eigentümer auf eigene, dezentrale Lösungen setzen sollten. Bis dahin bleibt die Teilnahme an Veranstaltungen wie der vom 30. September der direkteste Weg, um aus erster Hand zu erfahren, wie es weitergeht.
Wie ernst es die Stadt mit dem Tempo beim Klimaschutz insgesamt nimmt, zeigt der Überblick zu Bensheim 2030, in dem auch offen benannt wird, warum ein früheres Klimaziel aus dem Jahr 2012 verfehlt wurde und mit welchem Plan Bensheim jetzt nachschärfen will.