Bensheim 2030: Wie die Stadt Klimaschutz, Wohnungsbau und Mobilität neu denkt
Bensheim 2030 ist längst mehr als ein Schlagwort, unter diesem Titel laufen aktuell gleich mehrere Projekte, die zeigen sollen, wohin sich die Stadt in den nächsten Jahren entwickelt. Von neuen Wohngebieten über ein ambitioniertes Klimaziel bis zu einem Mobilitätskonzept ist einiges in Bewegung, auch wenn nicht alles so schnell vorangeht, wie sich manche das wünschen.
Das Wichtigste in Kürze
- Bensheim will bis 2040 klimaneutral werden, die Stadtverwaltung selbst schon bis 2035
- Ein erstes Klimaziel aus dem Jahr 2012 wurde nicht erreicht, deshalb gibt es jetzt den Masterplan Klimaschutz II
- Neue Wohngebiete entstehen unter anderem in Auerbach (ehemaliges Sanner-Gelände), Fehlheim (67 Grundstücke) und Schönberg („Seegenberg“)
- Der Regionalplan Südhessen, der die großen Flächenweichen stellt, soll voraussichtlich 2028 fertig sein
- Das Bürgernetzwerk Bensheim fordert ein gemeinsames Zielbild „Bensheim 2030“ und mehr Tempo bei der Umsetzung
Inhaltsverzeichnis
Klimaneutralität als Kernziel
Bensheim ist bereits seit 2012 offizielle Modellkommune für Klimaschutz. Damals gab es schon einmal ein Ziel: klimaneutral bis Mitte der 2020er-Jahre. Das wurde nicht erreicht. Konsequenz daraus ist der Masterplan Klimaschutz II, mit dem die Stadt jetzt neu ansetzt. Umweltdezernentin Nicole Rauber-Jung bringt den Grund für die Neuauflage auf den Punkt: „Wir müssen schneller und besser werden.“
Die neuen Fristen sind ambitioniert:
| Ziel | Frist |
|---|---|
| Klimaneutrale Stadtverwaltung | 2035 |
| Klimaneutrale Gesamtstadt | 2040 |
Erarbeitet wurde der Plan mit einem breiten Bündnis, darunter der Kreis Bergstraße, die GGEW, die Energiegenossenschaft Starkenburg, BUND, NABU und die IHK Darmstadt. Im Fokus stehen Photovoltaik auf Dächern, Wärmepumpen, Radwegeausbau und ein besserer ÖPNV. Wie weit die Verwaltung bei ihrem eigenen Zwischenziel für 2035 inzwischen tatsächlich ist, lässt sich öffentlich allerdings kaum nachvollziehen, ein Fortschrittsbericht mit konkreten Zahlen fehlt bislang.
Neue Wohngebiete für Bensheim
Wer über Bensheim 2030 spricht, kommt am Thema Wohnen nicht vorbei. Gleich mehrere Projekte sind in Arbeit:
- Auerbach, „Alte Stobbefabrik“: Auf dem ehemaligen Sanner-Gelände, zentral am Bahnhof, entsteht ein neues Quartier. 30 Prozent des Geschosswohnungsbaus sind für geförderten sozialen Wohnraum vorgesehen, dazu soll bei Bedarf eine Kita entstehen.
- Fehlheim, Baugebiet „Nord-West“: 67 Grundstücke auf 5,2 Hektar, zwischen 146 und 181 Wohneinheiten insgesamt. Die Nachfrage war so groß, dass es deutlich mehr Bewerbungen als Grundstücke gab.
- Schönberg, „Seegenberg“: Auf dem ehemaligen CBM-Gelände soll bezahlbarer Wohnraum entstehen, ergänzt um Einfamilienhäuser.
Die großen Weichenstellungen für künftige Flächen hängen am Regionalplan Südhessen, der alle rund zehn Jahre neu aufgestellt wird. Die aktuelle Fortschreibung soll 2028 abgeschlossen sein und dann bis weit in die 2030er-Jahre gelten. Bürgermeisterin Christine Klein sieht darin eine Chance: „Ob neue Baugebiete für Familien, Flächen für Unternehmen oder der Schutz wertvoller Grünzüge, alles das hängt von den Festlegungen im Regionalplan ab.“
Mobilität: Bensheim auf neuen Wegen
Parallel zum Klimaschutz arbeitet die Stadt am Mobilitätskonzept „Mobiles Bensheim 2040“. Bei einem Projektvolumen von rund 295.000 Euro übernimmt der Bund 65 Prozent der Kosten. Ziel ist ein Verkehrssystem, das Fußgänger, Radverkehr, ÖPNV und Autoverkehr besser miteinander verzahnt, entwickelt auf Basis von Bürgerbefragungen und echten Verkehrserhebungen vor Ort. Erste Stadträtin Nicole Rauber-Jung sieht darin die Chance, trotz angespannter Haushaltslage weiterzukommen.
Für alle, die sich fragen, wie die einzelnen Bausteine zusammenhängen: Klimaschutz, Wohnungsbau und Mobilität sind bei Bensheim 2030 keine drei getrennten Baustellen, sondern bewusst miteinander verzahnt. Neue Wohngebiete sollen von Anfang an an den ÖPNV und ans Radwegenetz angebunden werden, statt Mobilität erst hinterher mitzudenken. Das klingt naheliegend, ist in der Praxis aber der Punkt, an dem viele Kommunen scheitern, weil Bauplanung und Verkehrsplanung oft in unterschiedlichem Tempo laufen.
Bürgerbeteiligung und die Frage nach dem Tempo
Interessant ist, dass dieses Zielbild nicht nur von der Verwaltung kommt. Das Bürgernetzwerk Bensheim, eine seit 2018 aktive Initiative mit eigenem 24-Punkte-Programm, drängt selbst auf ein gemeinsames Zielbild unter diesem Namen, das Verwaltung, Politik und Bürgerschaft zusammenbringen soll. Ihr Motto ist unmissverständlich: „Machen, nicht vertagen.“ Vieles gehe ihrer Einschätzung nach nach wie vor zu langsam voran.
Das trifft ziemlich genau den Punkt, um den es bei Bensheim 2030 im Kern geht: Es gibt gute Ziele, breite Bündnisse und durchdachte Konzepte. Ob das Tempo reicht, um sie auch einzuhalten, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen.
Weiterführende Links:
- Masterplan Klimaschutz 2.0 der Stadt Bensheim
- Regionalplan eröffnet Perspektiven für Bensheim
- Mobilitätskonzept „Mobiles Bensheim 2040“
- Bürgernetzwerk Bensheim
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