Marktplatz-Sanierung in Bensheim: Der Streit um die Kosten am oberen Marktplatz

Die Marktplatz-Sanierung in Bensheim sorgt gerade für Diskussionen, allerdings nicht wegen des Bauzauns selbst, sondern wegen der Zahlen dahinter. Im Juli musste die Stadt einen Bericht der Lokalzeitung offiziell richtigstellen, weil dort falsche Kosten für die aktuellen Arbeiten am oberen Marktplatz kursierten. Wer heute über den Platz zwischen Rathaus und Hauptstraße geht, sieht frisches Pflaster, aber auch offene Fragen dazu, wer das eigentlich bezahlt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Aktuelle Kosten der Bauarbeiten am oberen Marktplatz: rund 71.000 Euro, getragen von der Marketing- und Entwicklungsgesellschaft Bensheim (MEGB)
  • Ein Zeitungsbericht hatte fälschlich 200.000 Euro Landesförderung für genau diese Arbeiten genannt, die Stadt hat das im Juli 2026 öffentlich richtiggestellt
  • Die 200.000 Euro sind die gesamte Fördersumme aus dem Landesprogramm „Zukunft Innenstadt“ für sechs verschiedene Projekte, der Marktplatz ist nur eines davon
  • Für Herbst 2026 ist die Bepflanzung der Fläche geplant, drei Sonnensegel sollen im Frühjahr 2027 folgen
  • Langfristig soll aus dem Areal im Rahmen des Projekts „Marktplatz der Zukunft“ ein Ort mit möglicher Stadtbibliothek und mehr Gastronomie werden

Was am oberen Marktplatz gerade gebaut wird

Die Fläche, um die es geht, liegt dort, wo bis 2019 das Haus am Markt stand. Seither lag das Areal weitgehend brach, mit Schutt und losem Schotter statt eines nutzbaren Platzes. Seit einigen Wochen wird das geändert: Der Boden wird neu aufgebaut, mit gepflasterten Bereichen und einer wassergebundenen Decke, dazu kommt ein durchgehend gepflasterter Weg für Rollatoren und Kinderwagen. Ergänzt wird das Ganze um eine indirekte Beleuchtung der historischen Sandsteinmauer und mobile Sitzmöbel.

„Wir machen aus einer Brache einen Ort, der deutlich besser nutzbar ist.“

Christine Klein, Bürgermeisterin von Bensheim

Genutzt werden soll die Fläche nicht nur einmal im Jahr. Dieter Blumenschein von der Stadt Bensheim betont, der Platz solle nicht nur während des Bergsträßer Winzerfests funktionieren, sondern das ganze Jahr über. Wer die Geschichte des Platzes insgesamt genauer kennenlernen möchte, findet einen ausführlichen Überblick in unserem Artikel zum Marktplatz in Bensheim.

Der Streit um die Kosten bei der Marktplatz-Sanierung in Bensheim

Genau hier beginnt die eigentliche Geschichte. Der Bergsträßer Anzeiger hatte berichtet, die laufenden Arbeiten würden 200.000 Euro aus einem Landesförderprogramm kosten. Die Stadt widersprach öffentlich und erklärte, die Darstellung sei in wesentlichen Punkten missverständlich beziehungsweise fehlerhaft gewesen.

ZeitungsberichtRichtigstellung der Stadt
Kosten der aktuellen Arbeiten200.000 Eurorund 71.000 Euro
Finanziert durchLandesförderungMarketing- und Entwicklungsgesellschaft Bensheim (MEGB)

Diese Marktplatz-Sanierung in Bensheim kostet demnach deutlich weniger, als zunächst berichtet, und sie wird von einem anderen Akteur bezahlt als angenommen. Bürgermeisterin Klein mahnte im Nachgang eine „korrekte Einordnung“ der städtischen Projekte und ihrer Finanzierung an, ein Satz, der sich durchaus auch als Seitenhieb an die Adresse der Zeitung lesen lässt.

Woher die 200.000 Euro wirklich kommen

Die Verwechslung ist nachvollziehbar, denn die Zahl 200.000 Euro existiert tatsächlich, nur eben in einem anderen Zusammenhang. Am 19. Dezember 2025 hatte Hessens Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori Bensheim in das Landesförderprogramm „Zukunft Innenstadt“ aufgenommen und einen Zuwendungsbescheid über exakt diese Summe übergeben.

Das Geld ist allerdings nicht für ein einzelnes Vorhaben gedacht, sondern verteilt sich auf sechs Projekte in der Innenstadt:

  • Aufwertung der Freifläche am oberen Marktplatz
  • Stärkere Begrünung durch Blumenkübel im einheitlichen Design
  • Lade- und Reparaturstation für Fahrräder am Beauner Platz
  • App-gesteuerte Sportbox zur kostenfreien Ausleihe von Sport- und Fitnessgeräten
  • Mobile Kulturbox mit Bühne und Technik für Musik- und Kleinkunstveranstaltungen
  • Beleuchtung der Brücken an der Lauter

Die Marktplatz-Sanierung in Bensheim ist damit nur eines von sechs Bausteinen, für die das Land Geld bereitstellt, und nicht einmal der teuerste. Wie viel von den 200.000 Euro am Ende tatsächlich in die Aufwertung des oberen Marktplatzes fließt, hat die Stadt bislang nicht öffentlich beziffert. Während in der Innenstadt an mehreren Stellen gleichzeitig gebaut wird, darunter aktuell auch die Saarstraße-Sanierung in Bensheim in Auerbach, wächst der Bedarf, für Bürgerinnen und Bürger klar zu kommunizieren, welches Projekt aus welchem Topf bezahlt wird.

Wie es am Marktplatz weitergeht

Die aktuelle Bauphase befindet sich nach Angaben der Stadt auf der Zielgeraden. Für den Herbst 2026 ist die Bepflanzung mit mediterranen, trockenheitsverträglichen Arten vorgesehen, im Frühjahr 2027 sollen drei Sonnensegel für Schatten sorgen. Eine Videoüberwachung zum Schutz vor Vandalismus ist ebenfalls angekündigt.

Der jetzige Umbau im Rahmen der Marktplatz-Sanierung in Bensheim ist dabei nur ein erster, vergleichsweise kleiner Schritt. Im Hintergrund läuft seit 2024 ein deutlich größeres Verfahren namens „Marktplatz der Zukunft“, aus dem perspektivisch eine Stadtbibliothek oder Mediathek, ein Multifunktionsraum und mehr Gastronomie am Platz entstehen könnten. Ein Ideenwettbewerb dazu wurde bereits entschieden, ein Realisierungswettbewerb soll folgen, einen konkreten Zeitplan dafür nennt die Stadt aber noch nicht. Mit Harry Hegenbarth übernimmt zudem am 15. Dezember 2026 ein neuer Bürgermeister das Rathaus, für den die Innenstadtentwicklung im Wahlkampf ein zentrales Thema war. Wie stark sich das auf die künftigen Pläne für den Marktplatz auswirkt, dürfte sich erst in den kommenden Monaten zeigen.

Die 71.000 Euro für den oberen Marktplatz wirken klein gegen die Summen, um die es in Bensheim gerade sonst geht. Wer wissen möchte, wie die Stadt derzeit mit deutlich größeren Fördertöpfen umgeht, findet einen Überblick in unserem Artikel zum Sondervermögen Bensheim, wo allein die erste Tranche bei 11,377 Millionen Euro liegt.

Quellen

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